Archiv der Kategorie: hands up: politics

1. halbjahr 2021

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wir sind da in bregenz über die grenze mitm flexbus, wie heisst der, bus und da waren kontrollen, die sind raus, zoll und haben geredet, vor dem bus, die polizei hat mit den dunklen geredet, vor dem bus, und dann sind die wieder eingestigen!! Ja. Das sind gar keine richtigen flüchtlinge, das sind einwanderer, da muss man erst mal die begrifflichkeiten klären, und dann sind die mitgefahren, die polizeit tut da nichts! – Die getrauen sich nicht! Meine eltern haben für ein butterbrot 12 Stunden gearbeitet. Das waren echte kriegsflüchtlinge! aber die. Da wo der Marco Polo, da kommt jetzt auch irgend so eine Bäckerei rein. Da hab ich ja meine mantel gekauft noch. Da war aber so ein kleiner verkäufer, sehr klein, den mag ich nicht, weil der hat mal mir, also ein kleid, das mit sehr gefallen hat, also das fand er passe mir nicht. hat es dir geapsst? vielleicht, später dann. Aber dann war der eigentlich ein guter verkäufer. arbeitet eigentlich der grosse neger noch als sassi beim herbert? assi darf man nicht mehr sagen, der ist ist jetzt festangestellter. der kauft bei euch die milch lisel? ich fand den marco polo sehr struktiert. die trug doch immer diese ojeans aus italien, da sah sie blöd drin aus, finde ich. früher hatten die richtige markenartikel. sie hat mir gleich geglaubt, grösse 40 und mir hat es auch gleich gefallen, das dirndl und mit silberknöpfen und sie hat nicht mehr gefragt und nicht schlecht für mein alter 40 grösse, 80 hingeblättert, und jetzt kennt die verkäuferin ihre chefin meine cousine die hennie und die hat hat mich angerufen, jetz war das preisschild falsch, 800 Euro! Oh. Ja das Dirndl hab ich noch. Ich mags ihnen gönnen hat sie gesagt. Die Chefin weil machen konntens jetzt auch nichts mehr. Da hab ich doch diesen mantel gekauft. ach ja?

scho wieder 7

vertuschen

bunkermentalitatpsycho

Gedanken zu aktuellen Lage bezogen auf die jüngere Geschichte Guatemalas

Man sagt ja allenthalben Geschichte würde sich wiederholen. Es gab verschiedene Länder in letzer Zeit in denen ein politischer Aufbruch gewagt oder versucht wurde. Dies war auch in Guatemala der Fall und zwar vor über 60 Jahren. Es ist eine Paradebespiel dafür, wie Oligarchen von innen und Interessengruppen von aussen, zusammenspannen und nichts aufgeben wollen, und das Land sogar in einen Bürgerkrieg geführt haben, von dem es sich bis heute nicht erholt hat. Schlimmer noch die alltägliche Gewalt ist Idenditäts und Kulturstiftend geblieben. (obwohl heute grad eine Szene, vor der Bar nebenan, zwei Männer prügeln sich heftig, Kicke ins Gesicht und alles, dann umarmen sich und alles ist wieder gut, jeder weiss auch geh nie im Bösen von jemanden weg)

Ein sehr kurze und einfache Zusammenfassung. In Guatemala ging es damals vor allem um Land. Als der demokratisch gewählte Präsident Arbez versuchte eine Reform der Verteilung von Land durchzudrücken wurde er von der CIA aus dem Land geputscht und eine Militärdiktatur wurde installiert. Enttäuschte Mitglieder der höheren politischen Kaste gingen darauf in den Untergrund und gründeten die Guerilla. Darauf folgten 35 Jahre Bürgerkrieg welcher eine Staat zurückliess, der keinen funktionierenes Justizsystem hat, keine Geld für Bildung oder grössere Infrastrukturausgaben. Der eine Politik betreibt, welche nur Geld einzutreiben weiss auf extrem bürokratische Art und Weise und dessen Paralamentarier und das inzwischen reduzierte Militär welches ein Machtvakum hinterlassen hat so korrupt sind, dass man sie obektiv von dem organisierten Verbrechen kaum unterscheiden kann.

Was ich persönlich aber am Schlimmsten finde ist, dass jene Leute welche Macht besitzen, keine Vision haben für das Land, keine Ideen, kein Perspektive, sie sind nur an der Absicherung ihrer eigenen Besitztümer intressiert behandeln das Land aber so, als würde es und seine Menschen eben ihnen gehören. Das soll weiss Gott nicht alle Guatemalteken zu Opfern machen. Die liebe Frau beid der ich jeweils für unglaubliche 2 Fr. eine super Mittagessen kriege, beschwert sich lautstark über das verdummende Fernsehen, welches ihre Kinder nicht sehen dürfen, über ihren Neffen in Guatemala City, die nicht arbeite nund seit sie 15 oder 16 sind anfangen Kleinkriminell zu werden. Bei ihrem letzen Besuch hat sie eine Pistole gesehen und Tatoos und sie macht sich grosse Sorgen mit ihnen brechen zu müssen.

Sie ist vor diesem Teufelskreis zusammen mit ihrem Mann nach Melchor geflohen und schickt nun hier, auch wenn es teuer ist, die Kinder auf belizianische Schulen, welche besser sind und wo die Kinder auch Englisch lernen können. Es macht sie traurig zu sehen, wie Teile ihrer Familie verwahrlosen und keine Verantwortung übernehmen wollen. Ich habe Ausländer schon erschreckt mit meiner Kritik an der guatemaltekischen Gesellschaft, aber das ist nichts im Vergleich dazu wenn eine reflektierte denkender Guatemalteke vom Leder zieht. Ich möchte damit nur sagen, dass die Aussrede sich aus der Armut zu befreien, nicht gilt, bloss weil sie nicht selbst verschuldet, ja sogar gemacht ist. Und ich hab jedesmals einen Heidenrespekt vor Leuten, welche das versuchen.

Das meine Heimatland gerade solche Menschen, die einen Ausweg suchen, als Sozialschmarotzer und quasi ethnisch Kriminell abtut, macht mich traurig und wütend. Und ich finde wir haben eine Mitverantwortung und dass nicht nur weil Schweizer Banken bei so ziemlich jedem Drecksgeschäft das auf dieser Erde abgeht die Finger drin haben. Sondern weil wir die Interessen von aussen sind, die zusammen mit der herrschenden Oligarchen dieses Länder und Guatemala ist bloss ein Beispiel dort unten halten, wo sie heute sind. Das ist eine aktive Position unserer Politik auch wenn wir das nicht einsehen wollen angesichts unserer individueller Passivität bezüglich eines Interesses. Es ist übel. Hier werden die Leute zu Babies erzogen und gehalten, sie sollen nicht erwachsen werden, damit ihnen ja nicht in den Sinn kommt sich zu wehren. Oder wenigstens ein selbständiges Leben zu führen. Und so glaube ich, wenn ich mir die Jugendlichkeit all dieser Aufstände anschaue, das ist doch zumeist das Ziel, auch wenn es sehr abstrakt und und nicht sehr konkret ist.

Ein kapitalistisches Paradies?

Mich nervt das des öfteren. Wir sassen auf dem Boot nach La Bunga Livingston, es war der 31. Dezember. Sie sagte „We gonna have new year in paradise.“ Vorne im Boot eine dieser Hippietouristen welche für kurze Zeit ihrem bürgerlichen Leben entflieht. Und sie ist nicht die einzige ob in Guatemala oder Belize, immer sprechen die Menschen was für Paradise diese Orte seien. Zu dieser Aussage gehört für mich eine gehörige Portion Aroganz. Nicht das es hiernicht wunderbar wäre, die Menschen nicht hilfsbereit, freundlich und sehr sehr nett (Zitat „es ist schwer hier ein Arschloch zu finden“) aber ich empfinde es als respektlos immer nur die positive Seiten dieser Länder zu sehen. Das Leben für die normalen Leute ist verdammt hart und die Regierungen und die wirtschaftlichen Eliten, was faktische dasselbe ist, tun alles um die Leute dumm, klein und arm zu halten in trauriger und schon fast traditioneller Zusammenarbeit mit dem Westen. Diese Eliten haben keine Vision oder Idee für diese Länder, welche sie als ihren persönlichen Besitz ansehen. Wer versucht daran etwas zu ändern, gefährdet nicht nur sein Leben, sondern das seiner ganzen Familie.

Ich war auf Caye Caulker in Belize letzte Woche und möchte es als Beispiel nennen. Guatemala ist etwas komplexer, vorallem kann man in Guatemala bis heute nicht wirklich von Kapitalismus reden. Das ist eher eine olgiarchische Prfündenwirtschaft. Ausserdem sind die Menschen wie ich sie erlebt habe, noch weniger vom Tourismus versaut, wie auf Caye Caulker, dass schon sehr lange als Backpackerparadies gilt. Caye Caulker ist eine kleins Insel vor der Küste von Belize. Es ist ein Traum für Schnorchler, Segler und Taucher. Das berühmte Blue Hole lässt sich von hier erreichen. Das Verrückte auf Caye Caulker ist, das jede Beziehung zu Einheimischen auf Geld beruht. Es gibt die Fänger welche Gras und Koks verkaufen. Etwas was man nicht tun sollte. Die Praxis Drogen an Touristen zu verkaufen, ihnen dann ins Hotel zu folgen, die Polizei zu rufen und eine Belohnung einzustecken ist weit verbreitet. Auf der ganzen Insel sind die Strassen gesäumt von Läden für Touristen, für Touren oder Restaurants. Die erfolgreichsten dieser Unternehmen gehören Ausländern. Allerdings gibt’s es auch Belizaner die hier gutes Geld machen. Dagegen ist ja auch nichts zu sagen. Nur hat es mit Belize, dem Land eigentlich nichts zu tun. Viele kommen hier vorbei bevor sie nach Guatemala fahren. Es ist erschreckend, wie wenig die Leute von diesen Ländern wissen und wissen wollen. Warum auch in einer oder zwei Woche ist man ja wieder weg. Ausserdem hat man Urlaub oder reist und will das verdammt nochmal geniessen.

Ich war schon mehr mals auf Caye Caulker und die Leute schätzen es sehr, wenn man wieder kommt, weil das praktsich kein Tourist tut. Es muss unglaublich anstrengend und aussaugend sein immer neue Leute zu treffen. Das da kein Interesse besteht kann ich verstehen. Eine Frau welche ich wieder sah hat mir erzählt, sie hätte im Internet auf Ebay gesehen, dass es jetzt den belizianischen Pass für 50´000 Dollar gebe. Soviel ist meine Herkunft wert, meinte sie lakonisch, ich musste an den 9. Februar in der Schweiz denken. Sie sagte ihr halten den Preis höher und wir mussten lachen. Ich bin natürlich auch sehr priviligiert, diesmal war ich mit meine Cousin da, er ist Belizianer kann Kreol (spricht es aber nicht, weil er meint er würde es nie so schnell sprechen können wie die Muttersprachler und unterlasse es deshalb aus Respekt vor Ihnen). Durch ihn war ich in einer Bar dem Bambooze sehr beliebt, wir hatten es aber auch unglaublich lustig und die Leute sprachen Spanisch und fanden es toll, dass ich das mit ihnen sprach, obwohl ich besser Englisch kann. Ich dachte erst sie sind so nett, weil das ihr Job ist, merkte aber dann, dass sie zwar mit jedem so freundlich sind, die meisten darauf aber mit einer unglaublichen Überheblichkeit reagieren, weil sie eben denken, sie seien nur nett um sie auszunehmen. Ich hingegen wurde mit jedem Tag mehr eingeladen und besser bedient. Und als ich sagte ich ginge morgen, warens ehrlich traurig.

Die Drogen sind für Belize wie für Guatemala ein ernsthaftes Problem. Mich ärgert ,dass die Gewalt hier durch den Schmuggel von Drogen hochgehalten wird, welche anderswo konsumiert werden. Die Einheimischen auf Caye Caulker erzählen hinter vorgehaltener Hand, dass sie die Leute welche Geld durch Drogen verdienen die ehrlichen Tourismusanbieter immer mehr unter Druck setzen, weil sie aber hohe finanziellen Einfluss verfügen. Einmal als ich mit Einheimischen in einer einschlägigen Bar war, und keine Drogen kaufen wollte, erklärte mir jemand unfreundlich dass dies ne „Gun Shot Neighbourhood“ sei und er mir gerne eine Pistoel in den Mund stecken und abdrücken würde. Es ist nicht das erste Mal dass ich so bedroht werde, man gewöhnt sich daran, trinkt sein Bier aus und geht langsam. Ich wurde auch von einer Gruppe junger Männer angeblufft, da ich ihnen in einer dunklen Gasse begenete und sie wohl spürten, dass ich mich nicht ganz sicher fühlte. Ich konnte nicht mehr ausweichen, da geht man dann am Besten auf die Leute zu. Sie spielten ein wenig mit der Länge der Leine ihres Kampfhundes und sagten schliesslich, als ich vorbei gegangen war: „You causes Drugs!“. Sie haben Recht und waren bestimmt harmlos. Und natürlich wollte ich dann doch mal Gras kaufen, mein guter Kumpel aus der Schweiz hielt mich davon ab, und ich war ihm dankbar, obwohl ich die Jungs kannte und sie das wussten. Es war lustig, ich stritt mit dem einem, er soll das Koksen lassen und er meinte, er müsse doch die Qualität prüfen.

Das ich es befremdlich finde, wie eine Gruppe Franzosen den Rastaman welcher unser Segelboot steuerte vor ihrer Kamera tanzen liess, und Anweisungen gabe, ist wohl eher mein Problem, er ist da Profi. Mich mochte er weil ich offensichtlich als Einziger wusste, dass man auf einem Segelboot immer auf jene Seite sitzt wo das Boot nicht im Wind liegt, auch wenn man dabei nicht die Füsse ins Wasser halten kann, so konnte er seinen Kumpel auf dem anderen Touriboot überholen. Vielleicht hatten wir auch einfach weniger Leute auf dem Boot. Ich musste herzlich lachen, dass er beim Einbiegen auf die Insel immer den gleichen Reaggesong liefen liess, irgendeine Frau Ring Ring soll ihn wohl anrufen, wo die Franzosen wieder fanden, nicht schon wieder dieses Lied. Man hat bezahlt, man bestimmt. Nein, diese Länder sind keine Paradise, denn die meisten Leute haben keine Geld, und deshalb bestimmen sie praktisch nie. Sie haben keinen Zugang zu Bildung was die Möglichkeit freie Entscheidungen zu treffen nochmals einschränkt. Von der stoischen Gelassenheit mit der man das alles hinimmt, versuche ich mir eine Scheibe abzuschneiden. Aber ich glaube das gelingt nur, wenn man die Probleme diese Länder Ernst nimmt. Und ich bin ganz ehrlich. Mir fehlt auch der Schneid daran irgendwas zu ändern, auch der Mut. Am Schluss werde ich in die Schweiz zurückkehren und mehr mitnehmen als ich da gelassen habe, wie alle.

Guatemala City, Gewalt und Schönheit, eine Künstleroase und die negative Utopie der Beyonce Knowls

Dieses Land fesselt mit seiner unglaublichen Vielfalt und dass es immer noch was Neues zu bieten hat. Ich wohne im Hotel Spring in der Zona1 der Hauptstadt. Und bis jetzt habe ich noch niemanden in diesem Hotel kennengelernt, der nicht in irgendeiner Form Künstler ist. Es ist eine Oase mitten in der Stadt und hier trifft sich alles von aussen, was nach Guatemala kommt, um über diese widersprüchliche Stadt etwas zu machen.

Es gibt hier eine französischen Dokumentarfilmer er fährt jeden Tag in das grösste Gefängnis der Stadt um eine Film über die Mara 18, die schlimmste Gang aus der Zona 18 im ständigen Kampf mit ihrem Rivalen MS 13 zu machen. Es gibt Giles den sympathischen Engländer, ein Fotograf der jede Nacht mit einer Ambulanz mitfährt und in der Woche davor mit Feuerwehrleuten und Fotos schiesst, aber findet er sollte seine nächste Repotage unbedingt über Leute machen die Blumen pflücken oder sowas, weil er um seine seelische Gesundheit fürchtet.

Mein Zimmer teile ich spontan mit Bonifas einem guatemaltekischen Schauspieler, Thetermacher, Yogalehrer und Bohemien aus Xula. Und dann ist da noch Julian ein Kolumbianer der Interviews mit Künstler aus der aufstrebenden guatemaltekischen Kunstszene macht für eine grössere Dokumentation für seine Universtät in New York. Mit ihm und Bonifas geht es an eine Vernisage einer jungen Künstlerin in der Zona 4.

Es liegen ein Haufen Kleider auf mehreren Tischen verteilt und aus einem Lautsprecher kommt laute Musik und eine typische guatemaltekische Radio-Werbestimme welche die Kleider als gratis anpreist. Der Taxifahrer und sein Sohn welche uns hergebracht haben, lassen sich das nicht zwei mal sagen, und fangen die Kleider an nach Brauchbarem zu durchsuchen und nehmen soviel mit wie der Anstand erlaubt. Die Künstlerin kriegt etwas Panik. Aber alles geht gut. Danach füllt sich die Halle mit einem Publikum, dass man von dem einer europäischen Vernisage nicht unterschieden könnte.

Hier kriegen die Gratis-Kleider die ganz im Stil einer hippen urbanen Jugend aus dem Secon-Hand Laden sind einen ganz eigene Funktion. Es ist ein typischer Sehen und Gesehen werden Event und durch das anprobieren dieser schrägen farbigen Kleider kriegt das Ganze gewollt oder ungewollt einne ironischen Touch. Danach gehe ich mit einer Gruppe von jugen Künstler in eine nahegelegene Pizzeria essen und ich bin so froh, mal mit Leuten aus diesem Land auf einer gewissen Meta-Ebene über die Zustände und Umstände und Probleme des Landes sprechen zu könne und dies auf hohen Niveau.

Wir kommen wie immer auf das Problem der Bildung und der Propaganda. Wir reden über die schwachen staatlichen Instituionen und kommen auch auf die amerikanischen Popkultur welche von den meisten geradezu gehasst wird. Sie meinen, es sein wie Antigua etwas imperiales, etwas eigentlich schon viel zu altes konservierendes und importiertes eine Negative Utopie von Konsumismus und politischer Teilnahmslosigkeit. Julian versucht am Beispiel Beyonce die Komplexität von Popkultur und Politik zu erklären, was einige richtig fest aufregt. Und sie mögen auch meine Argumente aber werfen mir dauernd vor ich sei so gelassen („Mas Pasion Elias, mas Pasion!!!“) Und da merkt man halt den Unterschied zwischen dem wohlsituierten Mittelklassemenschen aus Europa und den jungen Menschen hier, bei denen es auch in ihrer Kunst wirklich um das bare Leben geht, wo das worüber wir auch wenn intellektuell abgehoben sprechen, wirklich noch Auswirkungen hat. Die noch an was glauben und auch an eine Verändernug, weil diese verdammt noch mal nötig ist, sie das müssen,denn so wie es jetztz ist, ist es scheisse, und die noch nicht abgestumpft sind durch ständige pseudowichtige Diskurse über die Unveränderbarkeit des Laufes der Welt.

Und natürlich ist es mit meinem Basisch Spanisch zuweilen recht schwer den Diskussionen zu folgen. Und so merke ich plötzlich das Bonifas mein Mitbewohner perfekt Englisch spricht, er hat mir das bloss nicht gezeigt, weil er nicht mag, wenn man in Guatemala dauern diese Sprache benutzt. Er beginnt nun aber gnädig mir ab und an was zu übersetzen, wenn es ganz wichtig wird. Und ich bin wiedermal einfach nur dankbar. Bei allem Bewusstsein über die imerperiale Zustände und die historischen Realitäten und was Gringos und ihrer einheimischen Verbündeten hier angerichtet haben und anrichten, begenen mir alle Menschen mit totaler Offenheit und vollkommenen Repsekt.

Was auch noch zu erwähnen ist, ist die tolle Streetart, dies es hier überall zu sehen gibt. Davon später ein paar Bilder.

Wer prostutiert wen?

Lange hab ich mich überlegt, ob ich mal ein Blog Kommentar zu dieser Prostituions Debatte in Europa abgeben soll. Hab gemerkt, das schockt die Leute in Europa immer noch, wie offen die Leute hier mit Sex umgehen. Willst du, gehen wir, wieviel? No mas. Ich habe hier zu diesem Thema einen anderen Bezug gefunden. Wenn du hier mit einer Frau was anfangen willst, läuft nämlich ohne Geld oder Materielles erst mal gar nichts.

Sie wurde ja von Alice Schwarzer angestossen die Disskusion und die Frau weiss meiner Meinung nach schon was sie tut. Denn jetzt reden alle darüber und das ist sicher nicht schlecht so. Nur läuft es in die falsche Richtung. Ich mag Frauen nicht als Opfer von Männern sehen, sondern von Umständen. Nicht weil Frauen schon überall gleichberechtig wären, und schon gar nicht in Guatemala, aber weil man sie sonst ihrer Verantwortung und damit ihrer Würde entzieht. Oder anders gesagt, die schlimmste Form von Chauvinsimus ist, Frauen zu Opfern zu machen, gerade im Westen. Hier sieht das evtl. noch etwas anders aus. Denn da wo Unterschiede primär Machtausdrücke sind, und nicht Freiräume, da passt halt ganz gewaltig was nicht.

Aber wenn ich dann so was lese wie das hier im Tagi-Online wo darüber spekuliert wird, ob und warum die Prostution das „älteste Gewerbe der Welt“ genannt wird, kann ich nur lachen. Gerade aus meiner Situation hier in Guatemala. Wo, dass muss man einfach sagen, Geld der primäre Faktor ist, warum sich Frauen auf Männer einlassen. Vorallem auf Beziehungen. Und es ist nicht so, dass diese Frauen ihre Männern nicht lieben oder gern haben, oder Sex nicht mögen, ganz im Gegenteil, Emotionen hat es hier genug, es fehlt am Geld. Und sie wissen ganz genau, sie können Schwanger werden und dafür brauchen sie Geld und Sicherheit.

Sie vögeln oft genauso gerne wie wir Männer, der Mythos ist zum Glück langsam aus der Welt. Dazu kommen natürlich die heutigen Verhütungsmöglichkeiten, dadurch hat alles eine andere Dimension bekommen. Dafür wurde das schwanger werden, quasi ersetzt dadurch, dass wenn man von dir weiss, das du leicht zu haben bist, du als Schlampe gilst. Auch ne Form von Unterdrückung. Dir wird quasi deine Entscheidungsfreiheit bezüglich Sex entzogen, und warum dann nicht gleich in allen Lebensbereichen?

Dazu kommt das Männer eigenltlich immer können und oder zumindest wollen. Frauen so weit ich weiss die Wenigstens. Die ganz Klugen hier haben erst Sex mit Männern, wenn sie verheiratet sind, nicht aus Prüderei sondern aus Selbstschutz. Es gibt auch solche die Kinder haben, weil sie einmal nicht aufgepasst haben, und das ist nicht nur verdammt hart, sondern auch ein Stigmata. Ausser man sieht extrem gut aus. Aber eigentlich symbolisiert das, du kannst mit mir Sex haben und mich dann fallen lassen. Und es gibt auch junge Frauen die einfach gerne ficken und sich so ziemlich viel auf die Seite schaffen können. Und es gibt genaus so Frauen die Besitzer haben und richtig übel auf der Welt rumgeschoben werden. Soviel zu den Wurzeln der Prostution.

Das mit dem „ältesten Gewerbe“ ist sozusagen eine Methapher für gesellschaftliche Zustände, ist das denn so schwer zu verstehen? In diesem Tagi-Artikel wird primär von Sklavinnen geschrieben und der zentrale Begriff ist. „die einen Körper verkauften, der ihnen nicht gehörte“. Und da kneifft sich der liberale Freiheitsbegriff von Indivudalität halt immer mit den materiellen Umständen des einzlenen Individuums. Und davon ist Prostution nur der extremste Ausdruck. Die Umstände in denen wir leben sind immer noch sexistisch und von grossen Armutsunterschieden geprägt.

Das wir offensichtlich immer noch in sehr alten Rollenbildern festhängen, dass nämlich das Haupt-Problem ist, das Porstituierte keine Rechte haben, weil sie wenn sie öffentlich zugeben, welchem Job sie nachgehen (ob nun müssen oder wollen), übels unter den Karren kommen. Das spricht doch Bände über unsere Umgang mit Sexualität. Und ganz im Ernst ich würde nie meinen Köper verkaufen, ich scheitere ja schon als Künstler, weil ich meine Seele zur Erhaltung des Hauses derer nicht verkaufen will. Die entscheidende Frage wäre doch, nicht ob Prostution legal sein soll oder nicht, natürlich soll sie das, sondern warum es Frauen gibt, die ihren Körper unter jenem Preis verschachern müssen, der ihnen zusteht, nicht nur materiell. Wenn ein guter Typ hier her kommt, und sich die Frauen für ein paar schöne Abende mit ihm, auch noch was zu essen kaufen können, oder Guthaben für ihr Cellular, dann hat damit keiner ein Problem. Wirklich nicht.

Das Fazit aus dem Tagi Artikel „Die Ursprünge der Prostitution liegen im Dunkeln. Sie als «ältestes Gewerbe» zu bezeichnen, ist unkorrekt und verharmlosend. Vermutlich verläuft ihre Entwicklung parallel zur Sklaverei.“ Und da macht man den ideolgischen Unterschied, kein Problem deinen Körper zu verkaufen, oder deine Seele wenn es für den öknomischen Zweck ist, aber bitte nicht via Sex, dann bist du unfreier Sklave, damit haben wir ein moralisches Problem. Wir tun so, als wäre Sex nicht der zentrale Machtfaktor, welcher er ist, und moraliseren das über das Materielle, das als einziges auf Grund der lebenserhaltenden Triebe darüber steht. Dabei wäre die Welt wohl erst frei wenn richtig hässliche Fraue mit Brat Pitt bumsen und Angelina Jolie auf mich stehen würde. Haha Wünsche, ich weiss.

In Katar bauen grad Sklaven Fussballstadien, die Goldkettchen mit denen man hier Frauen bezirzt, sind bestimmt nicht von Arbeitern aus dem Berg geholt worden, die fair bezahlt wurden. Tausend Beispiele, zuviele Beispiele. Manche Leute machen es sich einfach zu einfach, auf der richtigen Seite zu stehen. Die Revolution hat noch nie im Bett stattgefunden, da müssten Frau Schwarzer und die alten Hippies sich vielleicht mal von ihrem Freudschen Komplex befreien.

Bissel Geschichte Guatemalas

Es gab wie in vielen Ländern des Südens auch in Guatemala in den 50er Jahren einen Aufschwung, wo man denke konnte, das Land wird in 20-30 Jahren soweit sein wie ein westeuropäisches Land. Wo der Unterschied zu eben diesen Ländern auch nicht besonders gross war. Dann aber wurde diese Entwicklung jäh unterbrochen, weil Guatemala zwischen den Interessen von aussen und der Pfründensicherung der Oberschicht von innen zermalmt wurde.

Oder der Westen und die UDSSR nach dem kräftezehrenden 2. Weltkrieg durchschnauften und die entsprechenden Länder auf ihre Plätze verwiesen, und diese Länder nicht über eine Mittelschicht verfügten, die dem etwas entgegenhalten konnte. Das dies die Sowejtunion anders tat, hat nichts mit gut oder schlecht zu tun, sondern eher damit, dass sie da schon im Hintertreffen war. Die gewählte Regierung wurde (20 Jahre vor Alliende, auch wenn nicht jeder Gitarrist mit Bart das besingt) von den Amis gestürzt und es folgten 35 Jahre Bürgerkrieg. Ein Krieg der immer noch anhält, auch wenn er inzwischen privatisiert worden ist. (So sind die 6000 Toten pro Jahr zu erklären. Und Privatisierung kriegt auch jenen liberalisierten Klang der ihr zusteht.)

Dass es inzwischen aktzeptiert ist, den neuen Liebhaber seiner Ex-Freundin zu erschiessen, hat nichts mit der Kultur hier zu tun, welche in ihrer Art unglaublich gewaltfrei ist und vor allem Gewalt ohne Erlaubnis der Gesellschaft oder der Gemeinschaft per se ausschliesst. Sie ist die Folge der Umstände, die immer mehr aktzeptiert werden und wurden. Wie bei uns Kaffee von Starbucks. Das ist heute akzteptiert, während mein Grossvater ein Bäcker ein Jahr lang kein Wort mehr mit meiner Mutter sprach, weil sie beim Grossist Coop einkaufte.

Ich war an der Abschlussfeier meiner Nachbarin. Das sie die Erste ihrer Klasse geworden ist, war die nächsten Tage das viel wichtigere Thema, als das während der Feierlichkeiten an diesem Abend ein junger Mann erschossen worden ist. Das ist den Leuten hier nicht mehr als ein Zucken mit den Schultern wert. Die Polizei weiss wer es war, tut aber nichts, weil es bei ihm nichts zu holen gibt. Seiner Mutter einer Krankepflegerin bleibt höchsten einen Killer zu bezahlen, der ihren Sohn rächt, wozu ihr wohl auch das Geld fehlt.
Es gibt hier aber auch viele Morde weil, so banal ist die Realität, es nicht besonders schwer ist, jemanden mit einer Pistole zu töten. Man könnte psychlogisierend natürlich sagen, dass die unterdrückten Gefühle dieser von indianischer Ruhe geprägten Gesellschaft dazu beiträgt, dass die Dinge manchmal übelst explodidieren.

Wie dem auch sei. Ich möcht hier ein Interview mit dem ehemaligen Präsidenten Guatemalas Rios Montt zeigen, welches dieser mit einem deutschen Journalisten am Anfang seiner Amtszeit in den 80 Jahren geführt hat. Rios Montt war ein Prediger und Lehrer. Er hatte in den 70 Jahren für eine christlichdemokratische Partei kandidiert, wurde aber nicht gewählt.

Rios Montt steht heute am Pranger oder vor Gericht, weil er die Auslöschung diverser Dörfer in den Bergen zwecks Guerillabekämpfung befohlen haben soll. Es ging damals darum die Rückzugorte eben dieser Guierlla zu zerstören, welche sich nicht etwa unter die Bevölkerung mischte, sonder meistens von dieser gerufen wurde, weil sie der Übergriffe der Militärs nicht mehr standhalten konnte. Es gibt zwei Meinungen zu seiner Verantwortung bezüglich dieser Massaker. Die einen sagen, er hätte diese befohlen ,andere sagen, er hätte gar nie die Kontrolle über den militärischen Apparat gehabt und dieser habe weitestgehend selbständig gehandelt. Das es den Aufstand gegen die Arbeitsbedinungen in den Grossplantagen an der Küste des Pazifiks und erfolgreiche Streiks gab, ist hingegen eine Tatsache und Grund für den Bürgerkrieg. Und meiner Meinung nach auch die Entscheidung der westlichen Mächte allen voran der USA, diesen Konflikt eskalieren zu lassen.

(Macht kann immer auch Reduktion politischer Spielräume von Gesellschaften bedeuten, darüber kann man bezüglich Eurokrise gerne mal nachdenken, passt aber nicht so richtig hier her)

Auf meine momentante Lebensituation hin und auf das Militär heute bezogen gibt es zwei Dinge zu sagen. In dem Grenzort wo ich wohne, wurden kurz nach dem der jetztige Präsident ins Amt gekommen war, der ein ehemaliger Militär ist, ca. 50 Mitglieder krimineller Banden in den Wald gebracht und ohne Prozess erschossen. Seit dem ist vermehrt Ruhe im Dorf, obwohl grad im Moment wieder ziemlich viele Morde passieren. Man hört auch viel Geballer am Abend. Aber ist ja Ende Jahr, wird halt abgrechnet. Zweitens kann man grundsätzlich als Tourist oder Blanco, je nach dem was ich bin, dem Militär mehr vertrauen als der Polizei. Das Miltär folgt einer gewissen Befehlskette während die Polizei ganz einfach die einzige Bande ist, welche man an ihren Uniformen und nicht bloss an den Tatoos oder Handzeichen erkennt. Grundsätzlich ist beim Umgang mit der Polizei zu raten, möglichst schnell zu bezahlen, während man beim Miltär zumindest auf ein bischen Adminstration hoffen kann.

Ich finde das Interview mit Rios Montt deshalb interessant, weil es die Denk- und Handlungsweise solcher aufzeigt, bei denen es nicht so eine Rolle spielt ob sie nun das Gute wollen, und das Schlechte schaffen oder umgekehrt, die aber auf Grund gesinnungsmässiger Auswirkungen der Defintion von richtigem Geist Macht haben, welche sich auswirkt. Und welches dazu einen tiefen Einblick in die Mentalität dieses Landes gewährt.

Als Ergänzung wäre auch noch zu erwähnen. Das heute die evangelikalen Kirchen, von denen Rios Montt ein Vertreter war und ist, mit viel Geld aus den USA, langsam aber stetig die katholische Kirch verdrängen. Diese hatte über die Jahrhunderte einer Kultur Platz gewährt, in welcher sowohl der eine Gott als auch die ursprünlichge Religon der Mayas Platz fand. Die reine Lehre halt, und Katholiken, das ist hier das Todschlagargument, welches mir lustigerweise ganz andes um die Ohren gehauen wurde als gewohnt, sind ja eh alles Kinderschänder. Aber zur Rolle der Relgion gerne ein andermal mehr.

(draufklicken und gross wird das Bild)

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